Professionalität und Qualität in der sozialen Arbeit

ances.lu

Die ances bietet in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz- Hochschule für Soziale Arbeit und der fedas eine Weiterbildung mit dem Reflexionsmodell Schlüsselsituationen an. Um Ihnen etwas mehr Einblick zu geben, finden Sie hier einige Auszüge aus einem Vortrag,  den Frau Dr. phil. Eva Tov anlässlich des Netzwerker-Treffens in der Großregion am 23.11.23 gehalten hat. 

  • Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit sind jene Situationen des professionellen Handelns, die durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit als typisch und im professionellen Geschehen wiederkehrend beschrieben werden.
  • Die Reflexion und der Diskurs über Schlüsselsituationen zielen darauf ab, Wissen in Bezug auf Praxissituationen gemeinsam in Lerngruppen und Communities of Practice zu entwickeln und zu erweitern.
Das Wesen der Sozialen Arbeit ist von Widersprüchen, Ambivalenzen und Paradoxien geprägt:
  • doppeltes Mandat (Böhnisch & Lösch, 1973, S. 27–29)
  • doppelte Loyalität (Heiner, 2004, S. 21)
  • Spiel von Macht und Respekt
  • Spiel von Kontrolle und Akzeptanz (Thiersch, 2004, S. 11)

Als professionelles Handeln wird dabei in der neueren Diskussion vor allem die Fähigkeit verstanden, wissenschaftlich fundiert in einer komplexen, von Heterogenität geprägten Praxis und unter Unsicherheit lösungsorientiert handeln zu können.
(Heiner 2004)

Professionalität im Modell Schluesselsituationen 1

Professionalität als theoretisches Konstrukt fordert wissensbasiertes Handeln, was die Relationierung von Theorie und Praxis bedingt:
historisch gesehen führte der Weg vom Transfer von Wissen über dessen Transformation zur Relationierung von Theorie und Praxis.

Eine Übertragung von theoretischem Wissen auf konkrete Situationen in der Berufspraxis ist nicht möglich, da die beiden Systeme Wissenschaft (Disziplin) und Praxis (Profession) jeweils eigenen Gesetzmässigkeiten und Zielen folgen.

Die Differenz ist anzuerkennen. Gefragt ist ein Weg, der dynamisch beide Systeme situationsspezifisch miteinander in Beziehung setzt und dabei ein drittes eigenes schafft.

Professionalität im Modell Schluesselsituationen 2

Relationierung bedeutet, sich annähernd, prüfend, suchend auf den Weg ins andere Feld zu machen, ohne das Eigene aufzugeben oder billig zu verkaufen.

Es bedeutet über Qualität, Preis und Nutzen zu verhandeln, ohne das Zielaus dem Auge zu verlieren.

Es beinhaltet das kontextsensible Wechseln der Perspektiven zwischen dem eigenen Standpunkt und dem des anderen.

Es ist ein Auskalibrieren der jeweiligen Systeme hin zu einem neuen eigenen, das verbindend zwischen den Ursprungssystemen steht.

Definition einer Schlüsselsituation

Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit sind jene Situationen des professionellen Handelns, die durch Fachkräfte der Sozialen Arbeit als typisch und im professionellen Geschehen wiederkehrend beschrieben werden.
Schlüsselsituationen zeichnen sich einerseits durch generalisierbare und verallgemeinerbare Merkmale aus, die für eine gelingende Professionalität als bedeutsam erachtet werden, andererseits werden die erlebten Situationen in ihrer spezifischen Ausprägung beschrieben. Die Anzahl solcher Situationen wie die Situationen selbst passen sich im Laufe der Zeit den sich verändernden gesellschaftlichen Bedingungen an. Situationen werden aus der Perspektive der Fachkraft als zeitlich nicht unterbrochener Handlungsfluss erlebt und als symbolisch strukturierter Sinnzusammenhang erfahren. 

Was sind Wissenressourcen?

Fachkräfte der Sozialen Arbeit brauchen Wissen, Verfahren sowie Fähigkeiten, wenn sie Situationen professionell gestalten wollen. Dazu müssen auch die Rahmenbedingungen einbezogen werden. All diese vielfältigen Wissensformen und Aspekte nennt Kaiser (2005 a und b) Ressourcen, welche bei der Situationsgestaltung eingesetzt werden können. Vielleicht braucht man nicht alle Ressourcen, um sein Ziel zu erreichen, doch ist es hilfreich, sich der eigenen Mittel und Möglichkeiten bewusst zu sein, da sich darüber die Handlungsoptionen vergrössern.
Die Ressourcen bestehen zum einen aus Wissensbeständen und Fähigkeiten und zum anderen aus materiellen und immateriellen Rahmenbedingungen und Voraussetzungen.
Die Frage entscheidet, welches Wissen wozu genutzt wird. Zum Beispiel kann rechtliches Wissen als verinnerlichter Code eine Handlung erklären oder als Wert das Handeln leiten oder auf Verordnungsebene sogar ein Verfahren vorschreiben.

Diese Fortbildung ist anerkannt in Luxembourg.
Cette formation est reconnue par le Ministère de l’Éducation nationale, de l’Enfance et de la Jeunesse.

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