Am 3. März 2026 lud die ances asbl zu einer Table Ronde zum Thema „Erzéien als Beruff“ ein.
Rund 70 Interessierte aus den unterschiedlichen Bereichen der Sozialen und pädagogischen Arbeit folgten der Einladung ins CELO in Hesperingen, um gemeinsam über die aktuellen Entwicklungen des Erzieherberufs zu diskutieren. Die Gesprächsrunde brachte Expertinnen und Experten aus Praxis, Ausbildung und Politik zusammen, die zu Fragen rund um Professionalisierung, Aus- und Weiterbildungswege, Fachkräftemangel sowie gesellschaftliche Herausforderungen Stellung nahmen.
Ein Beruf mit Geschichte – und Zukunft
Der Erzieherberuf, der 2023 sein 50-jähriges Bestehen feierte, bleibt ein attraktives, zugleich aber zunehmend anspruchsvolles Tätigkeitsfeld. Die Einsatzbereiche sind breit gefächert und reichen – wie Petra Böwen, Vizepräsidentin der ances, betonte – „von der Wiege bis zur Bahre“. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen eine deutliche Tendenz zu stärkerer Reglementierung und Spezialisierung. Während verbindliche Standards Qualität sichern, können sie, auch durch vermehrte Bürokratisierung, die berufliche Handlungskompetenz auch einengen, da pädagogisches Handeln immer in direkter Beziehung zu Menschen mit sehr unterschiedlichen Bedürfnissen stattfindet.
Vielfältige Ausbildungswege – aber noch nicht für alle zugänglich
Die Ausbildungslandschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich diversifiziert. Neben dem traditionellen Weg über das LTPES können junge Menschen heute auch im Lycée Belval den Abschluss als Éducateur erwerben. Die ENAD eröffnet als dritte Ausbildungsstätte zudem Erwachsenen die Möglichkeit, später im Leben in den Beruf einzusteigen.
Trotz dieser Vielfalt bleiben Barrieren bestehen: Viele Menschen – darunter auch solche in prekären Lebenslagen – wünschen sich eine Qualifizierung im erzieherischen Bereich, scheitern jedoch an finanziellen oder strukturellen Hürden. Die Expertinnen und Experten der Table Ronde sprachen sich daher für einen nationalen Qualifizierungsrahmen sowie für mehr Passerellen zwischen Ausbildung und Praxis aus, um den Einstieg in den Beruf zu erleichtern und dem spürbaren Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Wachsende Anforderungen an die Profession
Die Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher steigen kontinuierlich. Sie arbeiten mit Menschen, die häufig komplexe Unterstützungsbedarfe mitbringen: Familien mit multiplen Problemlagen, Kinder mit herausforderndem Verhalten, Personen mit psychosozialen Schwierigkeiten oder Menschen, die sich in einer zunehmend digitalen Welt zurechtfinden müssen. Um den Beruf langfristig attraktiv zu halten, braucht es daher mehr Unterstützung, Anerkennung und positive Sichtbarkeit der Profession.
Anerkennung und Valorisation als Schlüssel
In seiner Einführungsrede hob Gilles Dhamen, Vertreter des Bildungsministeriums, die zentrale Bedeutung des Erzieherberufs für die Gesellschaft hervor. Es gelte, die Profession und ihre Erfolge stärker zu valorisieren sowie die Weiterentwicklung von Aus- und Weiterbildung konsequent zu fördern. Für ihn steht fest: Der Erzieherberuf ist eine Profession mit Zukunft, die gut auf die Herausforderungen der heutigen Welt vorbereitet sein muss – und in der diejenigen, die sie ausüben, Wertschätzung und Unterstützung finden.
Autorin:
Magali DE ROCCO
Am 03.03.2026 wurde auch das arc Bulletin „Erzéien als Beruff“ veröffentlicht.