Mill Majerus: Die Maison Relais pour Enfants - Instrument der Kinder- und Familienpolitik in Luxemburg

Geschrieben von Mill Majerus. Veröffentlicht in Online-Dokuthéik

Die « Maison Relais pour Enfants » - Instrument der Kinder- und Familienpolitik in Luxemburg

Fachkonferenz der ANCE am 20. März 2006 an der Universität Luxemburg

Beitrag von Regierungsrat Mill Majerus

A. „Maisons Relais pour Enfants": Kurzportrait

Der französische Begriff „Maisons Relais pour Enfants" bezeichnet offene Tagesstrukturen, die Kinder möglichst flexibel auβerhalb der Schulzeiten aufnehmen.

MRE entstehen hauptsächlich auf Initiative hin der unterschiedlichen Kommunen. Diese dürfen dabei mit der tatkräftigen Unterstützung des Staates, lies des Familien- und Integrationsministeriums, rechnen. Die Trägerschaft einer KiTa (Kindertagessstätte) übernimmt die Kommune oder eine NGO im direkten Auftrag der entsprechenden Gemeinde. Diesen zweiten Weg wählen vor allem kleinere Kommunen.

2005 verfügte unser Land über 177 solcher Strukturen mit einer Gesamtkapazität von etwa 8.000 Plätzen. Bislang sind besonders im ländlichen Raum viele MRE exklusiv in der Mittagsstunde geöffnet („Cantine" oder „Restaurant scolaire").

Laut groβherzoglichem Règlement vom 20. Juli 2005 muss jede MRE nach einer Anlaufphase obligatorisch folgende Basisleistungen anbieten:
- Beaufsichtigung und pädagogische Betreuung
- Mittagstisch und Zwischenmahlzeiten
- Hausaufgabenbegleitung und individuelle Hilfe
- kreative Freizeitgestaltung.
Jede MRE steht in der Pflicht, auch behinderte Kinder aufzunehmen und entsprechend zu betreuen.

In seiner Betriebsgenehmigung und bei seiner finanziellen Beteiligung berücksichtigt das Ministerium zusätzlich eine Reihe von fakultativen Angeboten:
- individuelle sozialpädagogische Betreuung von Kindern mit spezifischen Problemen
- Aufnahme und Betreuung erkrankter Kinder (in der MRE oder auch zu Hause)
- gezielte Freizeitaktivitäten für Kinder und Eltern
- Elternbildung und Elternberatung
- Beteiligung an der sozialkulturellen Belebung des Ortes oder des Stadtviertels.

Die Betriebskosten sind erheblich und belaufen sich zurzeit auf etwa 10 EUR pro Kind pro Betreuungsstunde. Der finanzielle Beitrag der Eltern deckt dabei durchschnittlich knapp nur 15 %. Das resultierende Defizit geht zu Lasten der Kommunen und des Staates.

 

B. Familien und ihr gesellschaftliches Umfeld

1. Breite Palette unterschiedlicher Familienmodelle

Die „traditionelle" Kernfamilie, die auf der Ehe der Eltern aufbaut, ist inzwischen nur noch eine neben vielen anderen gelebten Familienformen: Einelternhaushalt, Einelternfamilie, polynukleare Familie, „patchwork-family" (Fortsetzungsfamilie), Homoelternfamilie, „Hotel-Mama-Familie", Adoptivfamilie, Pflegefamilie, Großelternfamilie...

2. Außerfamiliale Berufstätigkeit

Auch zu früheren Zeiten waren beide Eltern berufstätig. Allerdings verrichteten sie ihre berufliche Arbeit im Rahmen des Familienbetriebs und der „Betriebsfamilie" zu Hause. Zudem war die Großfamilie (drei Generationen, ledige Tanten und Onkel, Mägde) das gängige Familienmodell. Somit war es leichter, Erziehung, Pflege, Haushalt, Beruf und Nachbarschaftshilfe miteinander in Einklang zu bringen. Die Übergänge geschahen „nahtlos".

3. Rückgang der Kinderzahl pro Familie

Paare haben in aller Regel heute 1 bis 2, höchstens aber 3 Kinder. Die Zahl der Kinder, die ohne Geschwister aufwachsen steigt. Somit verpassen vermehrt Kinder innerhalb ihrer Familie wichtige Sozialisationserfahrungen.

4. Hohe Mobilität der Familien

Beruf, Freizeit und Shopping bedingen eine hohe Mobilität der Eltern und der Kinder. Dazu gesellt sich der Trend zunehmender Privatisierung. Viele Kinder und Jugendliche haben höchstens sehr lose Bindungen mit der Wohn- und Lebensgemeinschaft vor Ort.

5. Impakt der audiovisuellen und elektronischen Medien

Kinder und Jugendliche verbringen im Durchschnitt jede Woche 30-40 Stunden allein vor unterschiedlichen Schirmen. Sie konsumieren dabei, häufig ohne effiziente Kontrolle, pädagogisch sehr bedenkliche Produkte. Man darf dabei folgende Wirkungen befürchten: zunehmende körperliche und mentale Passivität, mangelnde Kommunikationsfähigkeit und fehlende Streitkultur, Entfremdung zur realen Umwelt, Abrutschen in virtuelle Welten, die man sich zurecht biegen kann, hohe Impulsivität und Gewaltbereitschaft.

6. Hohe Rate von ausländischen Kindern und Jugendlichen

Etwa die Hälfte der Kinder und Jugendlichen, die in Luxemburg leben, sind nicht Luxemburger Nationalität. Die Frage der gesellschaftlichen Kohäsion ist akut. Die Gettoisierung ist in vielen Orten oder Stadtteilen ein reales Risiko mit einem mittel- oder langfristig gefährlichen Aggressionspotential.


7. Neue Formen der Armut und der Ausgrenzung

Mit dem Begriff Zweidrittelgesellschaft („société à deux vitesses") beschreiben Experten die Tatsache, dass eine Mehrheit der Bürger einen relativ hohen Lebensstandard genießt: Wohnkomfort, kostspielige Wagen, teure Urlaube... Neben ihnen lebt eine steigende Zahl von Familien, die auf unterschiedliche Formen der Sozialhilfe angewiesen bleibt, um im Vergleich zu „überleben". Selbst wenn - wie in Luxemburg - viele Arbeitsplätze geschaffen werden, bleiben Menschen vermehrt vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen: mangelnde Ausbildung, Sprachenprobleme, gesundheitliche Schwierigkeiten, Drogen- oder Alkoholsucht, Unzuverlässigkeit... Soziale Probleme werden nicht selten durch psychische und familiale Faktoren verstärkt oder ausgelöst: Ängste, physische und seelische Gewalt, Missbrauch, Überschuldung, Beziehungsabbrüche, Depressionen...

C. Kinderbetreuung in Luxemburg

1. Die gängige soziale Norm verlangt nach wie vor, dass „anständige" Mütter die Erziehungspflichten tragen. Ihre berufliche Tätigkeit ist zweitrangig, u. U. ein relativ „subversiv" anmutender Anspruch verwöhnter Mädels oder aber ein Luxus, den man sich leistet, wenn die Großmütter über die Woche bereit stehen, um ihre Töchter oder Schwiegertöchter zu ersetzen.

Zwischen 15 und 64 Jahren waren 2004 knapp über 50 % der Frauen Luxemburgs berufstätig. In Dänemark waren es 72 %, in Deutschland 60 % und selbst im eher konservativ anmutenden Irland 56 %. In der Altersklasse zwischen 25 und 44 nimmt die Zahl der berufstätigen Frauen im Vergleich zur steigenden Kinderzahl rapide ab. Nur die Hälfte der einheimischen Mütter mit 2 Kindern geht einem Beruf nach.

Eine CEPS-Studie (Blandine LEJALLE, Durchführung im Jahr 2003, Veröffentlichung im Jahre 2005) belegt, dass Großeltern nach wie vor die zahlenmäßig wichtigsten Kinderbetreuer sind. Sie übernehmen 35 % der entsprechenden Arbeit; erst an 2. Stelle - mit 26 % - kommen die unterschiedlichen Betreuungsstrukturen; Tageseltern - mit oder ohne Status - rangieren mit 24 % an 3. Stelle.

2. Auf dem Hintergrund der gesellschaftlichen, beruflichen und familialen Entwicklung werden Eltern - Väter und Mütter - vermehrt berufstätig sein. Sie werden nur in der Lage sein, Kinder zu haben und großzuziehen, wenn sie dabei auf subsidiäre auβerfamiliale Betreuungsmöglichkeiten zurückgreifen können.

Desgleichen muss man davon ausgehen, dass die „Sandwich-Generation" ausstirbt. Immer weniger Frauen um die 50 werden bereit stehen, ohne Sold und ohne Rentenanspruch kranke Familienmitglieder zu pflegen und gleichzeitig Enkelkinder zu betreuen.

Beide Faktoren bedingen den konsequenten Ausbau von flexiblen Kinderbetreuungsstrukturen. Zurzeit leben in unserem Land etwas über 100.000 Minderjährige (22 % der Gesamtbevölkerung). In den Altersklassen zwischen 0 und 11 Jahren (Abschluss der kommunalen Grundschule) zählt Luxemburg um 68.000 Kinder. Die Vertreter des Familienministeriums schätzen, dass unser Land mittelfristig 30.000 Plätze in den MRE braucht.

Es reicht nicht aus, allein die Zahl der verfügbaren Plätze zu erhöhen. Es gilt gleichzeitig, die Öffnungszeiten auszuweiten: am Morgen vor Schulbeginn, am schulfreien Nachmittag, in den frühen Abendstunden, während der Schulferien sowie - gegebenenfalls - am Samstag.

Dieser Ausbau ist nur möglich, wenn der Staat und die Kommunen in der Lage sind, entsprechende finanzielle Mittel einzusetzen. Eine wesentliche Frage dabei ist ebenfalls die Unkostenbeteiligung der Familien. Zurzeit wird darüber unter Partnern verhandelt. Generell gilt eine Staffelung nach sozialen Maßstäben als gerechtfertigt.

3. Selbstverständlich wird das „Setting" der MRE durch alternative Angebote ergänzt: klassische Kindertagesstätten, Internate oder Tageseltern. Die MRE bieten ein System der Ganztagesbetreuung. Manche Experten und Eltern würden das Modell der Ganztagesschule bevorzugen.

Im Vergleich zur Ganztagesschule bieten die MRE eine Reihe von Vorteilen:
• Die Öffnungszeiten können weitaus flexibler gestaltet werden: am frühen Morgen, am Abend und besonders während der Ferien.
• Die MRE sind ein fakultatives Angebot. Kinder können sie - nach Bedarf der Familien - punktuell, stundenweise, an bestimmten Tagen oder auch nur während der Ferien besuchen.
• Ältere Kinder schätzen es gewiss, das „Setting" zu wechseln und nicht den ganzen Tag im selben Gebäude mit demselben Personal zu verbringen.
• Die MRE tut sich leichter daran, die Eltern und die Familien aktiv mit einzubinden. Letztere dürfen keineswegs aus der ihnen eigenen Verantwortung entlassen werden.
• Die MRE sind nicht mit spezifisch schulischen Hypotheken belastet, wenn es darum geht, sozialpädagogische Betreuungskonzepte zu entwickeln.

Die enge und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Schule und MRE ist allerdings eine wesentliche Voraussetzung. Desgleichen ist es unablässig, Synergien zu schaffen und unterschiedliche Möglichkeiten miteinander zu vernetzen. Familie, Schule, MRE, Tageseltern, Großeltern, Nachbarn und Dorfvereine werden dann zu Partnern, die Kinder in eine fürsorgliche Gemeinschaft einbinden.

 

D. Pädagogisches Konzept der MRE

In seiner Regierungserklärung im August 2004 hat Premierminister Jean-Claude Juncker die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als prioritäre Aufgabe genannt. Die Schaffung und der Ausbau flexibler Kinderbetreuungsstrukturen ist eine Antwort unter vielen anderen. Trotzdem verstehen sich die MRE keineswegs als simple Bewahrungsinstitute.

Sie verpflichten sich einem anspruchsvollen Konzept, das pädagogische, familiale, gesellschaftliche und kulturelle Aspekte einbezieht.

1. Die MRE ist wie die Familie und die Schulklasse ein affektiver Lebensraum. Dort findet das Kind Bestätigung, Respekt und Anerkennung. Das Kinderhaus will Wärme und Geborgenheit vermitteln. Aus diesem Grund werden nicht nur strukturierte Aktivitäten geboten, sondern es bleiben Raum und Zeit, um frei zu spielen, vor sich her zu träumen, zu albern und zu tollen.

2. Mit der Familie und der Schule teilt die MRE das Ziel, Kindern fundamentale gesellschaftliche Werte zu vermitteln: Respekt, Toleranz, gleiche Rechte für alle, Solidarität, Dialog, Verzicht auf Gewalt... In der MRE erfahren Kinder Schutz und Motivation. Sie beanspruchen dort unterschiedliche Dienste und Hilfen. Sie haben das Recht, gehört zu werden und in Grenzen, mit zu bestimmen. Die ergänzende Achse dazu ist die aktive Teilnahme sowie die Mitverantwortung. Als werdende Partner und Mitbürger werden den Kindern Pflichten übertragen, an denen sie keineswegs zerbrechen dürfen, die sie aber fordern und stimulieren.

3. Die Vermittlung der Sprache ist im doppelten Sinne des Wortes ein Schlüsselanliegen der MRE. Zum einen werden ausländische Kinder - spielend gewissermaßen - in die Luxemburger Umgangssprache eingeführt. Sie ist und bleibt ein wesentliches Instrument der sozialen Integration. Zum andern ist die verbale Kommunikation das sinnvollste Instrument, Bedürfnisse anzumelden, Spannungen anzugehen, Differenzen und Divergenzen anzugehen, Konflikte auszutragen. In einem Klima gleichermaßen der Wortfülle und der Sprachlosigkeit reagieren Kinder und Jugendliche häufig impulsiv, zerstören Objekte, werden gewalttätig gegen sich und andere, flüchten in die Sackgasse von Alkohol und Drogen oder lassen sich absacken in die virtuellen Welten von Internet und Co.

4. Die MRE aktiviert Körper, Geist und Seele. Die Konsumgesellschaft hat neben vielen Vorzügen den Nachteil, eine abstumpfende Konsumhaltung zu fördern: passiv bleiben anstatt aktiv zu handeln, genießen ohne sich darauf vorzubereiten, alles haben wollen ohne zu warten und sich darauf einzulassen. Dabei verkümmern körperliche, psychische, soziale und spirituelle Ressourcen. Oder schlimmer noch: sie entfalten sich erst gar nicht. Neben dem Ziel der Kreativitätsförderung gilt in diesem Zusammenhang der Anspruch, Kinder aus den virtuellen Welten herauszulocken, sie hautnah reale Menschen, Tiere, Pflanzen und Landschaften erfahren zu lassen. Dieses Anliegen teilt die MRE mit vielen Familien, mit der Schule, aber auch mit ungezählten Vereinen, die Kinder als Mitglieder aufnehmen und „kre-aktiv" betreuen.

5. Die MRE hat nicht nur eine Brückenfunktion hin zur Familie und zur Schule. Sie ist ebenfalls ein „Relais" hin zur Wohn- und Lebensgemeinschaft der Kommune, dem Stadtviertel oder dem Dorf. Das Kinderhaus fördert die aktive Vereinsmitgliedschaft, beteiligt sich an Feiern und Festen, pflegt lokale Bräuche und Traditionen. Sie vermittelt den Kindern soziale Wurzeln und Orientierungspunkte. Sie trägt dazu bei, das soziale Miteinander zu beleben und zu bereichern.

E. Ressourcen der MRE

1. Das Angebot steht und fällt mit dem angestellten Betreuungspersonal. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich für ihre Mission qualifizieren. Das geltende großherzogliche Reglement vom 10. Juli 2005 schreibt vor, dass mindestens 80% der Betreuungsstunden durch Mitarbeiter abgeleistet werden, die über eine entsprechende Berufsausbildung verfügen. Der Akzent liegt dabei beim Erzieher und beim Sozialpädagogen. Mindestens 40% der Betreuungsstunden sind zu leisten durch Frauen und Männer mit einer Fachausbildung in den Bereichen Pädagogik, Psychologie oder Sozialarbeit. Beim Personalschlüssel gelten die tradierten Normen: die effektive Preäsenz von einem Mitarbeiter bei 6 kleinen und bei 9 älteren Kindern. Für jedes behinderte Kinder steht eine Kraft zusätzlich zur Verfügung.

2. Die Ausarbeitung pädagogischer Leitlinien, das Erstellen individueller Betreuungspläne, die pädagogische Supervision, die Elternarbeit oder die Kontakte mit den Kommunen und den Schulen: diese Aufgaben sollten sinnvoller weise von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernommen werden, die über eine Hochschulausbildung im psychopädagogischen Bereich verfügen.

3. Die gesammelten Erfahrungen bestätigen die These, dass im Bereich der MRE auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit weniger anspruchsvollen Fachausbildungen wertvolle Dienste leisten. Sie qualifizieren sich für ihre Mitarbeit durch menschliche und familiale Engagements, durch berufliche Erfahrungen in verwandten Bereichen. Ihr Einsatz ist allerdings vor allem dann gerechtfertigt, wenn sie in Teams mit pädagogisch geschulten Kolleginnen und Kollegen eingebunden sind.

4. Weiterbildung und Supervision sind unverzichtbare Garanten der pädagogischen Qualität des Angebots. Dabei wird die 1989 von der UNO angenommene und von nahezu allen Ländern auf der Welt ratifizierte Kinderrechtskonvention zur wertvollen Richtlinie.

5. Die MRE verstärken ihren Impakt, wenn sie es schaffen, sich mit ergänzenden erzieherischen, psychosozialen und therapeutischen Diensten zu vernetzen. Der unverzichtbare Partner ist dabei die Schule. Zu erwähnen sind desgleichen Tageseltern, Internate, Feriendienste, Beratungsangebote, Musik- und Sportschulen, Elternrunden u.v.a.m. Besonders erwähnen will ich in diesem Zusammenhang die wünschenswerte Zusammenarbeit mit allen Vereinen, die in den unterschiedlichsten Bereichen Kinder und Jugendliche als Mitglieder aufnehmen und betreuen (z.B. Pfadfinder, Musikvereine, Sportclubs, Umweltinitiativen, Feuerwehr und Zivilschutz).

6. Die Eltern werden in der MRE „Klienten", die seitens des Mitarbeiterteams Respekt, Verständnis, Disponibilität, Rat und Orientierung erwarten. Zum andern sind sie in vielen Belangen unverzichtbare Partner - dies nicht nur, wenn es direkt um ihre Kinder geht, sondern möglicherweise auch bei der anstehenden Lobbyarbeit, der Evaluation, der Programmgestaltung oder der Organisationsarbeit für unterschiedliche Initiativen, die den Alltagsrahmen sprengen: Ausflüge, Feste, Familienaktivitäten.

7. Die Kommune bietet wesentliche Ressourcen. Sie deckt 50% des Betriebsdefizits, sie stellt die Infrastrukturen zur Verfügung. Sie trifft wesentliche Entscheidungen über die Aufnahmekapazität, die Öffnungszeiten, die Palette des Angebotes bis hin zur pädagogischen Ausrichtung der Programme. In kleinen und mittelgroßen Kommunen bleiben politische Leader alltägliche Ansprechpartner für zufriedene und auch enttäuschte Eltern. Sie werden somit eingebunden in die Sorge um die Qualität des Angebotes.

8. Die Betreuungsstrukturen im Kinderbereich haben sich zusammengeschlossen in einen großen Trägerverband, der nicht nur gemeinsame Anliegen nach außen vertritt, sondern in vielen Belangen seinen Mitgliedern wertvolle Dienste anbietet (z.B. Weiterbildung, Personalverwaltung oder Buchführung). Dieser Verband ist die „Entente des Foyers de Jour".

9. Natürlich hat auch das zuständige Familienministerium seitens der Regierung den Auftrag und den Anspruch, die MRE zu fördern. Die hierfür eingesetzten Mittel sind die Übernahme zu 50% des Betriebskostendefizits, eine großzügige finanzielle Beteiligung an den Infrastrukturen, die notwendigen Reglementierungen, die Betriebsgenehmigungen, die Erfassung der Bedürfnisse, die Koordinierung und die Vernetzung der Initiativen auf nationaler und regionaler Ebene, die Mitsorge für die Weiterbildung, die Information gegenüber den Eltern und den Medien.

10. Das Qualitätsmanagement bleibt zurzeit eine wichtige Herausforderung für die Träger und das zuständige Familienministerium. Es wird nach Wegen gesucht. Kompetente Partner wären neben ausländischen Organisationen die „Université du Luxembourg" sowie auch das dem Staatsministerium angegliederte Forschungsinstitut CEPS.

 

F. Wünsche

Als Leiter der Abteilung „Familie und Jugend" in Familien- und Integrationsministerium durfte ich bei der Taufe der MRE gewissermaβen Pate stehen. Ich möchte diesem neuen „Kind" der Luxemburger Familienarbeit fünf Wünsche mit auf den Weg geben, mich aber auch mit dafür engagieren, dass diese nicht als „fromme Wünsche" im Alltags-„Business" verloren gehen.

1. Dass jede MRE den Kindern Wärme und Geborgenheit schenkt und sie sich dort heimisch fühlen.
2. Dass jede MRE für die Kinder Brücken schlägt zwischen Familie, Schule und Gemeinschaft.
3. Dass sie die Kinderrechte respektiert und Kinder zu mündigen Bürgern erzieht.
4. Dass Kinder dort gleichermaβen lernen und spielen, arbeiten und tollen dürfen.
5. Dass jede MRE Kindern Spaβ, Freude und Lebensmut vermittelt.

Mill Majerus, 20. März 2006